Erste Hilfe mit Ersthelfergruppen in Bad Grönenbach, Türkheim und Memmingen
Ehrenamtliche Helfer aus der „Region der Lebensretter“ können in lebensbedrohlichen Notfällen alarmiert werden
Wenn jede Minute zählt
In lebensbedrohlichen Notfällen können Ersthelfer entscheidend sein. Nach Angaben des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Donau-Iller hat sich die Wahrscheinlichkeit, bei einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder Verkehrsunfall zu überleben, in den vergangenen Jahren deutlich erhöht – auch in der Region.
Im Landkreis Unterallgäu und in der Stadt Memmingen gibt es drei Ersthelfergruppen, die die Integrierte Leitstelle Donau-Iller im Ernstfall zusätzlich zum Rettungsdienst alarmieren kann: in Bad Grönenbach, Türkheim und Memmingen. Ergänzend kann die Leitstelle über die „Region der Lebensretter“ ehrenamtliche Helfer anfordern.
Ehrenamtliche Helfer unterstützen Rettungsdienst
Der Zweckverband verweist darauf, dass ehrenamtliche Helfer den klassischen Rettungsdienst zunehmend unterstützen. Sie seien im Notfall besonders schnell vor Ort und leisteten sofort Erste Hilfe. Landrat Alex Eder bezeichnete die Gründung der Ersthelfergruppen als Erfolgsgeschichte. Gleiches gelte für die Region der Lebensretter, eine App zur Alarmierung vorab registrierter Helfer. Diese Menschen leisteten eine hervorragende Arbeit und trügen dazu bei, dass die Region bei der medizinischen Erstversorgung immer schlagkräftiger werde, so der Landrat.
Auch Memmingens Oberbürgermeister Jan Rothenbacher verwies auf die Bedeutung des Ehrenamts und darauf, dass die Region bei solchen Beispielen zusammenstehe.
Einsatzzahlen aus der Region
Die Helfer vor Ort Bad Grönenbach rückten 2025 zu 107 Einsätzen aus, im ersten Halbjahr 2026 waren es 66. Die First Responder Türkheim kamen 2025 auf 94 Einsätze, im ersten Halbjahr 2026 auf 59. Die First Responder der Johanniter-Unfall-Hilfe Memmingen wurden 2025 154 Mal alarmiert, im ersten Halbjahr 2026 49 Mal.
Ersthelfergruppen wie diese wurden in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland verstärkt gegründet, um das Zeitintervall bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts zu überbrücken. In Bayern ist gesetzlich geregelt, dass der Rettungsdienst jeden an einer Straße gelegenen Einsatzort in einer Fahrzeit von zwölf Minuten erreichen soll. In lebensbedrohlichen Fällen kann das jedoch zu lang sein und für Patienten schwere gesundheitliche Folgen haben.
Die Helfer rücken deshalb aus, um möglichst schnell Erste Hilfe zu leisten. In der Regel handelt es sich um Mitglieder von Hilfsorganisationen oder Feuerwehren vor Ort. Durch ihre räumliche Nähe und Ortskenntnis treffen sie oftmals mehrere Minuten vor dem Rettungsdienst ein und beginnen zum Beispiel sofort mit der Reanimation. Alle Einsatzkräfte haben eine medizinische Ausbildung absolviert, die mindestens eine Ausbildung zum erweiterten Sanitätshelfer umfasst.
Region der Lebensretter mit 1.500 Helfern
Zusätzlich ist im Bereich des ZRF Donau-Iller, zu dem neben dem Unterallgäu und Memmingen auch die Landkreise Günzburg und Neu-Ulm gehören, eine Alarmierung über die Region der Lebensretter möglich. In der gesamten Region sind inzwischen 1.500 Helfer bei der App angemeldet. 2025 wurden mehr als 500 Mal Helfer über die App alarmiert.
Die Alarmierung erfolgt, wenn es sich um einen Herz-Kreislauf-Stillstand handelt. Dann muss so schnell wie möglich mit einer Wiederbelebung begonnen werden, um lebenswichtige Organe wie das Gehirn weiter mit Sauerstoff zu versorgen. Die App sucht sich automatisch bis zu vier Helfer, die in der Nähe sind und den Einsatzort besonders schnell erreichen können. Oftmals haben Personen mit medizinischer Qualifikation keine Kenntnis von einem Notfall in unmittelbarer Nähe. Die App schließt diese Lücke und schickt solche Menschen direkt zum Einsatzort. In vielen Fällen treffen so schon nach weniger als zwei Minuten Helfer ein.
So läuft die Rettungskette ab
- Ein Passant bemerkt einen Notfall und wählt den Notruf 112.
- Die Integrierte Leitstelle erkennt, dass es sich um einen Herz-Kreislauf-Stillstand handelt.
- Sie alarmiert Rettungsdienst, Ersthelfergruppe und Region der Lebensretter.
- Die Integrierte Leitstelle leitet den Anrufer zu ersten Wiederbelebungsmaßnahmen an.
- Helfer der Region der Lebensretter treffen ein, übernehmen die Wiederbelebung und holen einen Defibrillator.
- Die Helfer der Ersthelfergruppe kommen und helfen mit.
- Rettungsdienst und Notarzt erreichen den Einsatzort und übernehmen die Versorgung.
- Die Integrierte Leitstelle sucht mit dem Rettungsdienst nach einem Krankenhaus mit aktuell verfügbarer Versorgungsmöglichkeit.
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