Gräfelfing weiht Bohrmeißel: Erste Tiefenbohrung könnte bald starten

In Gräfelfing ist der Bohrmeißel für das Geothermieprojekt feierlich gesegnet worden. Die Meißelweihe ist ein bergmännischer Brauch vor dem Start von Tiefbohrungen. Die Segnung übernahmen der katholische Pfarrer Dominik Arnold und der evangelische Pfarrer Bernd Reichert.
Der Bohrplatz des Projekts befindet sich am Neurieder Weg 2. Bürgermeister Peter Köstler sagte bei der Feier, die erste Tiefenbohrung solle möglicherweise schon in der Woche ab dem 19. Oktober beginnen. Für ein Bohrloch werden rund drei Monate Bohrzeit veranschlagt. Die erste Fündigkeit könnte demnach im Februar erfolgen. Der Bohrmeißel soll bis zu 4.350 Meter tief in den Untergrund vordringen.
Vier Bohrungen geplant
Das Projekt sieht zwei Dubletten mit insgesamt vier Bohrungen vor. Die kürzeste soll 3.500 Meter, die längste etwa 4.350 Meter erreichen. Im Untergrund werden Temperaturen zwischen 85 und 100 Grad erwartet. Die Lieferung von Geothermiewärme ist für 2029 vorgesehen; sie hängt nach Angaben von Thomas Banck, Geschäftsführer der Fernwärmenetz Gräfelfing GmbH und der Geothermie Gräfelfing GmbH & Co. KG, von der Fündigkeit ab.
Für das Kern-Geothermie-Netz sind 13 Kilometer in acht Losen geplant. Sieben Lose sind bereits beauftragt; bei drei wird laut Banck schon gebaut. Das achte Los soll im Februar ausgeschrieben und im März vergeben werden. Banck sagte außerdem, die Preise seien neu gestaltet worden. Damit solle das Angebot für Gewerbekunden und private Haushalte attraktiver werden.
Einblick in die Bohrarbeiten
Eine neue Homepage der Geothermie Gräfelfing soll ab der Woche des Bohrstarts eine Live-Webcam vom Bohrplatz zeigen. Zusätzlich soll am Bohrplatz ein Aussichtspunkt eingerichtet werden. Wer sich persönlich informieren möchte, kann laut Banck in die Freihamer Straße 2 kommen.
Das Vorhaben geht auf Planungen zurück, die 2009 begannen. 2017 fasste der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss, Gräfelfing mit Wärme aus Tiefengeothermie versorgen zu wollen. Im Juni 2025 übernahm die kommunale Fernwärmenetz Gräfelfing GmbH die Anteile des bisherigen Partners Silenos Energy. Die Geothermie Gräfelfing GmbH & Co. KG befindet sich damit vollständig in kommunaler Hand. Für das Projekt liegen Förderzusagen von mehr als 50 Millionen Euro vor.
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