Treffpunkt „Ohana“ für Geflüchtete in Neumarkt wird aufgelöst
Die Stadt begründet die Entscheidung mit einem Rückgang der regelmäßigen Treffen und plant das Engagement in andere Projekte zu verlagern.

Der Treffpunkt „Ohana“ für aus der Ukraine geflüchtete Menschen in Neumarkt wird aufgelöst. Nach Angaben der Stadt ist die Integration vieler Teilnehmender inzwischen so weit fortgeschritten, dass die regelmäßigen Treffen nicht mehr in dem bisherigen Umfang benötigt werden.
Aus einem Treffpunkt für Geflüchtete wurde ein Ort der Unterstützung
Als im Februar 2022 der Krieg in der Ukraine begann, stellten viele Bürgerinnen und Bürger in Neumarkt kurzfristig Wohnraum, Hausrat und weitere notwendige Dinge zur Verfügung. Zugleich zeigte sich nach Angaben der Stadt schnell, dass zusätzlich ein Ort der Begegnung gebraucht wurde.
Anna Lehrer, Leiterin des Bürgerzentrums in Pölling, stellte dafür kurzfristig einen Raum bereit. Mit Unterstützung der Bürgerstiftung wurden an vier Nachmittagen Kaffee und Kuchen angeboten. So entstand ein geschützter Rahmen für Austausch, Ruhe und Orientierung. Auch Fadi Almusa unterstützte den Treffpunkt häufig vermittelnd.
Zunächst lief das Angebot unter dem Namen „Razom“, ukrainisch für „gemeinsam“. Die damalige Integrationskoordinatorin der Stadt, Sümeyra Aytar, suchte Ehrenamtliche für die Gestaltung des Treffpunkts. Ein Team organisierte die Nachmittage daraufhin eigenständig weiter und bot unter anderem Übersetzungshilfen, Deutschkurse und Netzwerke an. Davon profitierten vor allem viele Frauen mit ihren Kindern, die in Neumarkt ankommen mussten.
Umzug ins Bürgerhaus und neuer Name
Nachdem die Treffen im Bürgerzentrum Pölling nach etwa einem Jahr weniger stark besucht wurden, entschied das Organisationsteam mit Antje Hamann, Mathilde Meier und Beate Meckler, die Zusammenkünfte künftig montags im Bürgerhaus stattfinden zu lassen. Mit dem Umzug in die Innenstadt erhielt der Treffpunkt auch einen neuen Namen: „Ohana“. Das Wort bedeutet „Familie“ und steht laut Mitteilung für ein Gemeinschaftsgefühl, das von Verantwortung und Zusammenhalt geprägt ist.
Breites Angebot im Bürgerhaus
Im Bürgerhaus entwickelte sich „Ohana“ zu einem offenen Treff mit zahlreichen Unterstützungsangeboten. Dazu gehörten nach Angaben der Stadt unter anderem jahreszeitliches Basteln und Malen, gemeinsames Herstellen von Broten mit verschiedenen Garnituren, Deutschkurse, Berufsberatung, Ausflüge, die Teilnahme am Weiberfasching, Hilfe bei der Wohnungssuche und bei Behördenangelegenheiten, Schulberatung sowie Sachspenden.
Projekte der Bürgerstiftung, der Stadt Neumarkt und der Malteser wurden dabei auch durch künstlerische, kulinarische und musikalische Beiträge ukrainischer Mitbürgerinnen und Mitbürger bereichert.
Kulturelle Impulse und Spendenbedarf
Als besonderer Höhepunkt wird der „Land-und-Leute-Abend Ukraine“ im Bürgerzentrum Pölling genannt. Dort gab es eine Modenschau, eine Vernissage und ein Buffet. Außerdem sind Stände mit Handwerkskunst und kulinarischen Angeboten aus der Ukraine inzwischen fester Bestandteil von Weihnachtsmärkten und städtischen Veranstaltungen.
Weiterhin werden laut Mitteilung dringend Spenden für humanitäre Zwecke benötigt. Diese werden in Kooperation mit dem Verein Valores Hilfe-Jugend-Kultur organisiert.
Aus dem Treffpunkt heraus gründete sich zudem der Chor „Vyshyvanka“, der inzwischen weit über Neumarkt hinaus bekannt ist. Auch eine ukrainische Künstlerin fand über das Netzwerk Anschluss, wurde Mitglied im Kunstkreis Jura und konnte bereits eine eigene Vernissage realisieren.
Weniger Bedarf nach mehr als vier Jahren
Nach mehr als vier Jahren regelmäßiger Treffen nahm die aktive Beteiligung nach Angaben der Stadt zunehmend ab. Als Grund wird genannt, dass viele Geflüchtete inzwischen berufstätig seien, mit ihren Angehörigen gut integriert lebten und die anfänglichen Unterstützungsbedarfe gedeckt seien.
Die Ehrenamtlichen beschlossen deshalb gemeinsam mit der Integrationskoordinatorin der Stadt, Marie Spelda, ihr Engagement künftig in andere, dringendere Projekte zu verlagern.
Freundschaften über Grenzen hinweg
Aus der ursprünglich kurzfristig gedachten Hilfe sind laut Mitteilung zahlreiche Freundschaften entstanden. Der Treffpunkt habe gezeigt, wie wichtig gemeinsame Räume seien, in denen Menschen ankommen, Unterstützung finden und so lange begleitet werden, bis sie selbst Wurzeln schlagen können.
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