Palliativprojekt startet in Gunzenhausen

Im Burkhard-von-Seckendorff Heim begleiten zwei Fachkräfte Sterbende ein Jahr lang im Modellprojekt ZiB-P.

Palliativprojekt startet in Gunzenhausen
Bild zum Beitrag© Redaktion Gunzenhausen

Zeit, Wertschätzung und Respekt angesichts des Todes: Im Burkhard-von-Seckendorff Heim in Gunzenhausen ist vor kurzem ein Palliativmodellprojekt gestartet. Es soll die Begleitung sterbender Menschen in der Pflegeeinrichtung stärken und dem Thema Lebensende mehr Raum, Zeit und fachliche Unterstützung geben.

Ein Projekt für mehr Zeit am Lebensende

Ausgangspunkt des Vorhabens ist die Frage, wie viel Zeit Pflegekräfte sterbenden Menschen tatsächlich widmen können. In der Mitteilung wird auf die hohe Zahl von Seniorinnen und Senioren verwiesen, die in Pflegeeinrichtungen sterben. Damit rückt die Versorgung am Lebensende stärker in den Fokus.

Genau an dieser Stelle setzt die Münchner Stiftung an. Sie unterstützt seit 2018 gemeinsam mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium das Projekt „Zeitintensive Betreuung Pflegeheim am Lebensende“ (ZiB-P) in Alten- und Pflegeheimen. Ziel ist es, mehr Zeit, Wertschätzung und Respekt in der Begleitung sterbender Menschen zu ermöglichen.

Start im Burkhard-von-Seckendorff Heim

Das Projekt wurde nun im Theilenhofener Mehrgenerationenhaus vorgestellt. Seit kurzem gibt es auch im Burkhard-von-Seckendorff Heim in Gunzenhausen zwei ZiB-P-Mitarbeiterinnen. Nach Angaben in der Mitteilung ist das Modellprojekt dort zunächst auf ein Jahr angelegt.

Insgesamt ist das Projekt bereits in rund 100 Einrichtungen umgesetzt worden. Die Einrichtung in Gunzenhausen gehört damit zu den Häusern, in denen die besondere Betreuung am Lebensende nun konkret verankert wird.

Politische und fachliche Unterstützung

Erster Bürgermeister der Stadt Gunzenhausen, Matthias Hörr, begrüßte das Vorhaben ausdrücklich. Er verwies darauf, dass sich Sterbende ohne Zeitdruck und in angenehmer Atmosphäre begleiten lassen sollten. Zugleich betonte er, dass die Realität in Heimen häufig anders aussehe und das schnelle Engagement von Stiftung und Gesundheitsministerium daher wichtig gewesen sei.

Sein Dank galt auch dem Hospizverein des Landkreises, der das Projekt angestoßen und koordiniert hat, sowie den ZiB-P-Kräften, die diese Tätigkeit ausüben. Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wird das Projekt vom Hospizverein begleitet, unter anderem durch den ehemaligen Intensivmediziner Dr. Hartmut Stark und die Trauerbegleiterin Sandra Meyer.

Finanzierung und Umsetzung vor Ort

Im Rahmen von ZiB-P werden pro Pflegekraft 40 Arbeitsstunden gefördert. Zusätzliche Zeit muss von der jeweiligen Pflegeeinrichtung getragen werden. In Gunzenhausen ist dies über das Burkhard-von-Seckendorff Heim und die Hospitalstiftung möglich.

Nach Angaben der Mitteilung hat die Idee auch im Stiftungsausschuss und bei Einrichtungsleiter Stefan Kettler viel Zustimmung gefunden. Deshalb werden auf freiwilliger Basis die Kosten für weitere 10 Stunden übernommen. Das Modellprojekt erhält damit neben der fachlichen auch eine zusätzliche finanzielle Unterstützung.

Fachkräfte mit Palliativ-Ausbildung im Einsatz

Stefan Kettler spricht von einer Investition in menschliche Würde. Im Burkhard-von-Seckendorff Heim können in den kommenden zwölf Monaten zwei Mitarbeiterinnen als sogenannte Palliative-Care-Fachkräfte tätig sein. Genannt werden Karin Elterlein und Ann Kathrin Gross.

Beide haben eine 160-stündige Ausbildung absolviert und sind nun neben ihrer Tätigkeit als Heim-Pflegekraft im Hospizdienst eingesetzt. Damit stehen im Haus feste Ansprechpartnerinnen zur Verfügung, die die besondere Begleitung am Lebensende übernehmen können.

Was ZiB-P leisten soll

Die Mitteilung beschreibt als Ziel eine Verbesserung der Lebensqualität für Sterbende in den letzten Momenten ihres Lebens. Dafür braucht es Zeit, fachliche Expertise und die Möglichkeit, individuelle Situationen richtig zu deuten und Entscheidungen entsprechend zu treffen.

Die Unterstützung kann dabei sehr unterschiedlich aussehen und reicht von Sitzwachen und Gesprächen über Hilfe bei der Nahrungsaufnahme bis zur Erfüllung besonderer Wünsche. Auch unnötige Einweisungen in Krankenhäuser sollen vermieden werden.

Bedeutung für Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte

Matthias Hörr betonte, dass die Idee, sterbende Menschen dort zu versorgen, wo sie sich befinden, etwas Tröstliches habe. Eine verstetigte Fortführung des Projekts würde aus seiner Sicht die Abschiedskultur in den Heimen verbessern.

Wichtig sei das nicht nur für Sterbende, sondern auch für Angehörige und Pflegekräfte. Die Mitteilung verweist zudem darauf, dass Palliativ-Care-Kräfte ein wichtiges Bindeglied zwischen Ärzten, Angehörigen und Patienten sind. Projekte wie ZiB-P werden als Gewinn für Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Pflegeteam und auch für die Ärzte beschrieben.

Weitere Informationen

Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, kann sich an die genannten Informationsquellen wenden. Zudem ist das Burkhard-von-Seckendorff Heim online auffindbar.

  • www.hospizdienst-af.de
  • www.pkv-stiftung.de
  • bvsh.gunzenhausen.de
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