Burghausen: Abschied vom Altstadtkümmerer Tobias Hanig
Nach drei Jahren endet seine geförderte Amtszeit – Impulse für Bürgerbeteiligung und nachhaltige Altstadtentwicklung bleiben

Nach rund drei Jahren endet das Engagement von Tobias Hanig als Altstadtkümmerer in Burghausen. Die vom Freistaat Bayern geförderte Stabstelle läuft zum Ende November aus und hinterlässt eine sichtbare Spur: Zahlreiche Projekte rund um die Grüben und den Stadtplatz wurden initiiert und umgesetzt. Doch gleichzeitig bleibt weiteres Entwicklungspotenzial, insbesondere bei der Nutzung historischer Räume.
Bürgerbeteiligung und die Rolle des Altstadtkümmerers
Die Stelle des Altstadtkümmerers entstand durch einen Bürgerbeteiligungsprozess. Ziel war es, für die Menschen im historischen Stadtgebiet eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen, die zwischen der Bürgerschaft und der Stadtverwaltung vermittelt. Damit sollte gezielt die Erhaltung und Gestaltung der Altstadt unterstützt werden.
Leerstand als Dauerthema – Herausforderungen und Chancen
Ein Kernanliegen von Tobias Hanig war der Umgang mit Leerstand, insbesondere in den Grüben. Hanig betont dabei die Unterscheidung zwischen gefühltem Leerstand und tatsächlich frei nutzbaren Räumen. Viele Faktoren wie Besitzverhältnisse und notwendige Sanierungen erschweren schnelle Lösungen. Die Stadtverwaltung kann dabei nicht immer eigenständig agieren, da Hausbesitzer oft eine eigene Nutzung bevorzugen. Der Altstadtkümmerer konnte Impulse geben, musste aber viele Anliegen in die regulären Verwaltungswege überführen, was bei Bürgerinnen und Bürgern teils für gedämpfte Erwartungen sorgte.
Innovative Projekte und Impulse für die Altstadt
Während seiner Amtszeit initiierte Hanig verschiedene Projekte, um das öffentliche Leben und die Attraktivität der Altstadt zu stärken. Besonders hervorgehoben wird das Ecker-Binder-Haus, eines der ältesten Gebäude der Altstadt. Hier wurden in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Rosenheim und unter Leitung von Prof. Gabriel Weber neue Raumnutzungskonzepte entwickelt. Die Planungen laufen weiter, um das bedeutende Baudenkmal einer nachhaltigen Zukunft zuzuführen.
Belebung durch Veranstaltungen und Infrastruktur
Laut Hanig ist es entscheidend, solche Initiativen langfristig zu verstetigen, um die Altstadt mit Leben zu füllen.
Erfolgreiche Zwischennutzungen und Neuansiedlungen
Ein weiterer Arbeitsbereich lag in der Zwischennutzung von Immobilien. Erwähnenswerte Beispiele sind die neue „Helmbrecht“-Zentrale im Salzburger Hof und die Keramikwerkstatt Marble Mud in der Stethaimer Schule. Eindruck hinterließ auch das Projekt der Bildhauerschule Scholz aus Hallstatt, das mit ungewöhnlichen Aktionen frischen Wind in die Altstadt brachte.
Die Ansiedlung neuer Geschäfte, wie dem „Roadhouse Vintage Vibes Store“ am Hofberg, ist ein weiteres Resultat von Hanigs Arbeit. Besonders bedeutsam ist die erfolgreiche Umsiedlung der Radlmetzgerei, die nach Abschluss der Sanierung neue Räume im Stadtplatz-Umfeld beziehen wird. Hier vermittelte Hanig persönlich die Verbindung zwischen Geschäftsinhaber und Stadt.
Stimmen zum Abschied und der Blick nach vorn
Erster Bürgermeister Florian Schneider dankt: „Wir haben vieles angestoßen, um rund um Grüben und Stadtplatz attraktiv und lebendig zu werden. Wir nehmen wichtige Impulse mit und wollen darauf weiterhin aufbauen, damit die Altstadt trotz ihrer historisch bedingten Einschränkungen das lebendige Herz unserer Stadtgemeinschaft bleibt.“
Tobias Hanig zieht ebenfalls ein Fazit und schätzt die Erfahrung als „spannende Aufgabe mit vielen Herausforderungen“, die er gestalten durfte. Seine Leidenschaft für Dorf- und Stadtentwicklung bleibt, wobei sein neuer Wirkungsort noch offen ist.
Fazit und Ausblick
Mit dem Ende der Stabstelle endet ein Kapitel, das beispielhaft für innovative Ansätze in der städtischen Entwicklung steht. Die angestoßenen Projekte und die erprobten Formen der Bürgerbeteiligung bieten Chancen, weiter an einer lebendigen und lebenswerten Altstadt zu arbeiten. Die Herausforderungen beim Thema Leerstand und Nutzung historischer Gebäude werden dabei auch künftig eine zentrale Rolle spielen.
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