Neue Tafel in Bamberg: Geschichte im Wandel

Omas gegen rechts zeigen den Übergang von Heldenverehrung zu kritischer Erinnerungskultur an der Unteren Brücke

Von Redaktion Bamberg
Neue Tafel in Bamberg: Geschichte im Wandel
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An der Unteren Brücke in Bamberg bereichert ab sofort eine neue erklärende Gedenktafel den zentralen Erinnerungsort der Stadt. Die Initiative soll die historische Entwicklung und die unterschiedlichen Perspektiven der bisherigen Gedenkzeichen sichtbar machen und eine kritische Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur fördern.

Ein Ort der Erinnerung im Wandel

Seit Jahrzehnten findet an der Unteren Brücke jedes Jahr am 8. Mai die offizielle städtische Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus statt. Zwei Gedenktafeln stehen hier bereits seit geraumer Zeit und markieren wichtige Stationen in der Geschichte des Gedenkens in Bamberg.

  • Erste Gedenktafel (seit 1957):

    Rechts neben der Brücke, am Alten Rathaus angebracht, erinnert sie an die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs sowie an die Opfer der Luftangriffe. Der fränkische Bildhauer Hans Leitherer gestaltete das Werk, das zwölf Jahre nach Kriegsende errichtet wurde. Die Tafel dokumentiert einen zeittypischen Blick auf das Leid der deutschen Bevölkerung, benennt jedoch weder Ursachen noch Täter.

  • Zweite Gedenktafel (seit 1986):

    Das Ergebnis einer Initiative von SPD, zivilgesellschaftlichen Bündnissen und Einzelpersonen. Das Relief des Künstlers Bernd Wagenhäuser zeigt einen gefesselten Menschen hinter einem verbogenen Hakenkreuz und trägt die Inschrift:

    "Zum Gedenken an jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, alle die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Widerstand geleistet haben, missachtet, verfolgt und ermordet wurden."

    Neue Erklärtafel fördert differenzierte Erinnerungskultur

    Mit der neuen Erklärtafel werden die beiden Gedenkzeichen erstmals explizit in ihren historischen Kontext gestellt. Sie informiert über die Entstehungsgeschichten der Tafeln und macht den Wandel in der öffentlichen Erinnerungskultur sichtbar. Damit wird ein kritischer Blick auf den Wandel vom einseitigen Heldengedenken hin zu einer umfassenderen und selbstkritischen Aufarbeitung der Geschichte angestoßen.

    Der Anstoß für die neue Erklärtafel kam von der lokalen Gruppe Omas gegen rechts. Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar betont die Bedeutung des Projektes: "Beide bestehenden Tafeln spiegeln exemplarisch die Entwicklung der gesellschaftlichen Gedenkkultur in Deutschland – vom einseitigen Heldengedenken hin zu einem umfassenderen, selbstkritischen Erinnern. Die nun hinzugekommene Tafel lädt ein, diesen Wandel bewusst wahrzunehmen und weiterzuführen."

    Erinnerungskultur als kontinuierliche Aufgabe

    Die Diskussion um die Formen des öffentlichen Erinnerns hat in Bamberg eine lange Tradition. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren gab es eine kritische Auseinandersetzung mit dem bisherigen Gedenkkonzept, die schließlich zur Errichtung der zweiten Tafel führte. Mit der neuen ergänzenden Erklärtafel wird einmal mehr deutlich, dass Gedenkorte nicht nur zu bewahren, sondern immer wieder kritisch zu hinterfragen und historisch einzuordnen sind. Nur so kann Gedenken wachsam und verantwortungsbewusst in Gegenwart und Zukunft wirken.

    Mit dem neuen Informationsangebot an der Unteren Brücke setzt Bamberg ein weiteres Zeichen für eine reflektierte und lebendige Erinnerungskultur, die auch kommenden Generationen Orientierung bieten soll.

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