Bamberg testet klimaresistentes Welterbe
Mehr als 30 Fachleute diskutierten beim ersten Urban Living Lab über Hitze, Starkregen und neue Schutzmaßnahmen für die Altstadt

Bamberg hat sich im April zu einem internationalen Arbeitsort für Fragen des klimaresilienten Welterbe-Managements entwickelt. Im Rahmen des ersten „Urban Living Labs“ der EU-geförderten COST-Action Go2CHANGE kamen Fachleute aus Europa zusammen, um über Klimaschutz, Klimaanpassung und Resilienz in UNESCO-Welterbestätten zu beraten. Das Zentrum Welterbe zieht nun eine positive Bilanz einer intensiven Woche.
Internationaler Fachaustausch in Bamberg
Die Veranstaltung brachte mehr als 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Fachleute zusammen. Unter den Teilnehmenden waren Expertinnen und Experten von ICOMOS International, Historic England, der Politechnischen Universität Turin, der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens und der Universität Leicester. Gemeinsam mit lokalen Akteuren wurden konkrete Strategien entwickelt.
Der Austausch ordnete Bamberg in einen größeren internationalen Zusammenhang ein. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie UNESCO-Welterbestätten auf die Folgen des Klimawandels reagieren können, ohne ihre historische Substanz und ihren besonderen Wert zu verlieren.
Bamberg als Vorreiter im Welterbe-Management
Die Pressemitteilung verweist auf den UNESCO-Aktionsplan für Europa und Nordamerika. Darin werden Resilienzdenken, Katastrophenrisikomanagement sowie Klimaschutz und Klimaanpassung als strategische Ziele für ein zukunftsfähiges Welterbe-Management benannt.
Mit der Ausrichtung der Training School übernimmt Bamberg nach eigener Darstellung eine Vorreiterrolle. Die Stadt bringe sich damit aktiv in die internationale Diskussion zur Zukunftsfähigkeit von Welterbestätten ein.
Welterbe schützen und selbst zum Klimaschutz beitragen
Im Zentrum der Training School stand eine doppelte Fragestellung: Wie lässt sich UNESCO-Welterbe wirksam vor den Auswirkungen des Klimawandels schützen, und welchen Beitrag kann das Welterbe selbst zum Klimaschutz leisten?
Genannt werden in der Mitteilung als konkrete Herausforderungen unter anderem extreme Hitze, Starkniederschläge, erhöhte Verdunstung und langanhaltende stagnierende Wetterlagen. Diese Entwicklungen machen deutlich, wie eng der Schutz historischer Orte mit Klimaanpassung verbunden ist.
Wissenschaftliche Themen und praktische Anwendung
Das Programm der einwöchigen Veranstaltung verband wissenschaftlichen Austausch mit praxisnaher Anwendung. Fachvorträge und Diskussionen befassten sich mit folgenden Themen:
Die täglichen Nachmittagssessions des „Urban Living Labs“ übertrugen das erarbeitete Wissen direkt auf die Situation in Bamberg. Im Dialog mit lokalen Akteuren aus Stadtverwaltung, Bamberger Klimabeirat, Universität und Erzbistum standen dabei die Berg-, Insel- und Gärtnerstadt mit ihren spezifischen Herausforderungen und Potenzialen im Umgang mit dem Klimawandel im Fokus.
Lokale Perspektive und internationale Anerkennung
Auch Exkursionen und Ortsbegehungen gehörten zum Programm. Den Abschluss bildeten öffentliche Präsentationen der Gruppenergebnisse sowie eine Zertifikatsverleihung im Zentrum Welterbe Bamberg.
Die Bedeutung der Veranstaltung zeigte sich zudem in der hochrangigen Beteiligung. Friederike Hansell, Focal Point im Auswärtigen Amt, unterstrich mit ihrer Teilnahme den nationalen Stellenwert des Projekts und Bambergs Rolle als Modellstandort für klimaresilienzorientiertes Welterbe-Management in Deutschland.
Ausblick auf weitere Schritte
Die Erkenntnisse der Training School sollen langfristig in die Fortschreibung des Welterbe-Managementplans für die „Altstadt von Bamberg“ einfließen. Ziel ist es, lokale Klimarisiken systematisch zu analysieren, konkrete Maßnahmen zu entwickeln und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wissenschaft, Fachbehörden und Zivilgesellschaft weiter zu stärken.
Das Projekt ist damit nicht abgeschlossen, sondern wird fortgeführt. Ein internationaler Expertenworkshop ist vom 30. Juni bis 1. Juli in Bamberg geplant. Die Gesamtergebnisse sollen im Rahmen einer Abschluss- und Disseminationsveranstaltung am 16. Oktober 2026 vorgestellt werden.
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