Bamberg baut neuen Tiefensammler
Modernisierung der Entwässerung mit 3,6 km Tunnel, Umweltschutz und Bürgerbeteiligung für mehr Hochwassersicherheit
Das Großprojekt „Tiefensammler Bamberg Ost“ nimmt weiter Konturen an. Die Stadt Bamberg setzt das wichtige Infrastrukturvorhaben in drei Bauabschnitten um und rüstet damit die Entwässerungsinfrastruktur für die Herausforderungen von Gewässerschutz und Hochwassersicherungen der kommenden Jahrzehnte.
Politische und fachliche Einordnung
Der Tiefensammler basiert auf einem Grundsatzbeschluss des Bau- und Werksenats vom Mai 2024, der die technische Lösung zur Sanierung der Mischwasserbehandlung Ost festgelegt hat. Mit dem Beschluss des Wirtschaftsplans 2026 durch den Stadtrat am 10. Dezember 2025 ist auch die Finanzierung des ersten Bauabschnitts gesichert. Der weitere Fahrplan orientiert sich an diesen wegweisenden Entscheidungen.
Oberbürgermeister Andreas Starke unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Wir haben den Auftrag, das Projekt Tiefensammler umzusetzen. Daran halten wir uns.“ Er hebt hervor, dass die Maßnahme eine rechtliche Verpflichtung darstellt und nicht optional ist: „Wir handeln hier nicht aus freien Stücken, sondern erfüllen eine rechtliche Verpflichtung.“
Sowohl das Wasserwirtschaftsamt als auch die Umweltschutzbehörde haben der Stadt Bamberg Fristen gesetzt, um Defizite im Entwässerungssystem abzustellen und gesetzliche Vorgaben zum Gewässerschutz umzusetzen.
Anpassung und Strukturierung der Bauabschnitte
Aus Gründen der Fachplanung wurde das Vergabeverfahren für das Projekt angepasst und zeitlich verschoben. Die Umsetzung erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Bauabschnitten:
Eine wichtige Änderung im Zeitplan dient dem Natur- und Artenschutz: Ein mögliches Überschneiden von Baumfällungen mit der Vegetations- und Brutperiode konnte durch die Verschiebung und die Bauabschnittsaufteilung verhindert werden.
Offene Fragen und Bürgerbeteiligung
Die Auswirkungen auf betroffene Bürgerinnen und Bürger sowie Interessensgruppen werden durch die Aufteilung der Arbeiten abgefedert. Bis zur Stadtratssitzung am 25. März 2026 wird die Stadt offene Fragen aus dem Gremium und aus der Bürgerschaft sammeln und beantworten.
Ein intensiver Austausch mit Anwohnenden, Verkehrsverbänden und weiteren Betroffenen ist vorgesehen, um Einschränkungen zu minimieren. Die Stadt Bamberg stellt außerdem laufend erweiterte Projektinformationen auf ihrer Homepage bereit.
Positive Nachrichten gibt es auch für Betreiber und Gäste des „Kiosk Kunni“: Dieser bleibt im Jahr 2026 uneingeschränkt erreichbar, da im südlichen Bereich Adenauer-Ufer zunächst nur vorbereitende Arbeiten stattfinden und Sperrungen von Geh- und Radwegen nicht vorgesehen sind.
Umwelt- und Baumschutz im Fokus
Der Schutz von Bäumen stand im Mittelpunkt der Feinplanung: „Besonders sensibel sind wir mit der Frage der Baumfällungen umgegangen. So ist es uns allein im vergangenen Jahr gelungen, die Zahl der fällenden Bäume durch eine Feinplanung von 127 auf 45 zu reduzieren“, betont Oberbürgermeister Starke. Auch die Leiterin des städtischen Umweltamts, Annegret Michler, versichert, dass Ersatzpflanzungen fachgerecht ausgeführt werden.
Tobias Schenk, Leiter des Klima- und Umweltamts, stellt klar: „Nach Abwägung umweltfachlicher und rechtlicher Belange hat der Gewässerschutz Priorität.“
Genehmigungen und Zeitplan
Das Umweltamt stimmt der Vorgehensweise zu. Die Frist für die fertige Genehmigungsplanung wird eingehalten, bis dahin soll die Vergabe der Bauleistungen erfolgen.
Kosten und Nutzen
Für die ersten beiden Bauabschnitte belaufen sich die Kosten auf etwa 92 Millionen Euro. Die Kosten für den dritten Bauabschnitt lassen sich zum jetzigen Planungsstand noch nicht präzise beziffern. Die Stadt Bamberg stellt mit dieser Investition sicher, dass sowohl die gesetzlichen Anforderungen an Gewässer- und Hochwasserschutz als auch der Schutz vor Überflutung – etwa von Bahnunterführungen – erfüllt werden.
Technische Eckdaten
Das anfallende Mischwasser wird zu einem neuen Pumpwerk am Margaretendamm geführt und anschließend zur Kläranlage geleitet. Die Verbindung mehrerer bestehender Abwasserkanäle wird so effektiv realisiert.
Fazit und Ausblick
Mit dem Tiefensammler stellt sich Bamberg wichtigen ökologischen und technischen Herausforderungen. Das Bauprojekt ist ein weiterer Schritt für eine zukunftsfeste Stadtentwässerung und wird unter sorgfältiger Abwägung von Umwelt-, Rechts- und Bürgerinteressen umgesetzt. Weitere Entwicklungen stehen rund um die nächste Stadtratssitzung Ende März 2026 an, wenn die offenen Fragen beantwortet und die Ausschreibung veröffentlicht wird.
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