Bamberg erhält Bayerischen Biodiversitätspreis
Naturnahe Pflege blütenreicher Straßenränder: seit 1999 mit seltenen Mähintervallen, ohne Dünger und Pestizide

Bayerischer Biodiversitätspreis für Bamberger Straßenrandpflege
Die Stadt Bamberg ist mit dem Bayerischen Biodiversitätspreis ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde die naturnahe Pflege blütenreicher Straßenränder, die sich nach Angaben der Stadt seit vielen Jahren zu artenreichen Sand-Lebensräumen entwickeln konnten.
Bei der Preisverleihung im Rosengarten hinter der Neuen Residenz in Bamberg bezeichnete Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber die Bamberger Projektbeteiligten als „Pioniere der ökologischen Straßenrandpflege“. Ausgezeichnet wurde die Stadt mit dem 2. Preis für das kommunale Engagement.
Pflegekonzept seit 1999
Grundlage der Auszeichnung ist ein Pflegekonzept, das am Berliner Ring und inzwischen an fast allen zuführenden Straßen umgesetzt wird. Dort werden die Straßenränder nur ein bis zwei Mal pro Jahr gemäht. Auf Düngung und Pestizideinsatz wird bewusst verzichtet. Die Pflege richtet sich nach dem Wuchs der Vegetation und berücksichtigt zugleich die Sicherheit an Kreuzungen.
Begonnen wurde mit dem „ökologischen Grünflächenmanagement der Straßenränder auf Terrassensand“ bereits vor 27 Jahren. Jährlich wird die Flora der Grünstreifen entlang des Berliner Rings auf 6 Kilometern Länge sowie fast aller zuführenden Straßen erfasst. Auf dieser Grundlage entsteht ein Ergebnisbericht mit Artenliste, nach dem die weiteren Pflegemaßnahmen abgestimmt werden.
Artenvielfalt deutlich gestiegen
Nach Angaben der Stadt ist die Zahl der Farn- und Blütenpflanzen im Zuge der zurückhaltenden Pflege von 320 auf 485 gestiegen. Besonders hervorgehoben wird, dass sich die Zahl der Rote-Liste-Arten verdoppelt hat. Zu den nachgewiesenen Seltenheiten zählen unter anderem das Alpen-Leinblatt und die Violette Königskerze.
Zweiter Bürgermeister und Umweltreferent Jonas Glüsenkamp betonte zudem, dass das Beispiel inzwischen auch auf anliegende Unternehmen ausstrahle, von denen sich einige an dem Ansatz beteiligten.
Mehrere Stellen an dem Projekt beteiligt
An dem Projekt arbeiten nach Angaben der Stadt Fachleute aus mehreren Bereichen zusammen. Beteiligt sind:
- das Staatliche Bauamt,
- das Umweltamt der Stadt Bamberg,
- die Abteilung „Grünanlagen und Friedhöfe“ bei Bamberg Service.
Das sogenannte „Bamberger Modell“ hat nach Angaben der Stadt inzwischen auch überregional Interesse geweckt. Gemeinsam mit der Regierung von Oberfranken wurde ein Praxisleitfaden erstellt, der anderen Kommunen als Orientierung dienen soll.
Preis unter dem Motto „Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume“
Der Bayerische Biodiversitätspreis stand in diesem Jahr unter dem Motto „Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume“. Vergeben wurde er vom Bayerischen Naturschutzfonds an insgesamt acht Preisträger.
Die Stadt Bamberg teilt sich den 2. Platz mit dem Landkreis Mühldorf am Inn. Beide Preise sind mit jeweils 4.500 Euro dotiert.
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