Neue Tafel ehrt Waldbau-Pionier Karl Gayer
Im Strietwald Aschaffenburg informiert eine Tafel über Gayers nachhaltige Forstwirtschaft und seine Bedeutung für klimaresistente Mischwälder
Im Aschaffenburger Strietwald wurde am Mittwoch, 19. November, eine neue Informationstafel zu Ehren von Karl Gayer, dem Begründer der modernen Waldbaulehre, feierlich eingeweiht. Die Enthüllung fand in der Nähe der Teschenhöhle statt und wurde von Oberbürgermeister Jürgen Herzing, Dr. Gerrit Himmelsbach vom Archäologischen Spessart-Projekt sowie Förster David Scheuthle begleitet.
Karl Gayer – Vordenker moderner Forstwirtschaft
Karl Gayer (1822–1907) gilt als einer der einflussreichsten Wissenschaftler im Bereich Forstwirtschaft. Seine Lehrtätigkeit an der Königlich-Bayerischen Forstlehranstalt Aschaffenburg sowie an der Universität München prägte Generationen von Förstern. Die neue Tafel würdigt seine bedeutenden Beiträge und hebt Gayers Rolle bei der Entwicklung nachhaltiger Waldbewirtschaftung hervor.
Bedeutung gemischter Wälder
Während der Veranstaltung betonte Dr. Gerrit Himmelsbach Gayers Engagement für Mischwälder. Er erforschte und lehrte bereits im 19. Jahrhundert, dass Mischwälder – im Gegensatz zu Monokulturen – widerstandsfähiger gegenüber Umweltveränderungen sind. Diese Erkenntnis ist heute, im Zusammenhang mit den Herausforderungen des Klimawandels, aktueller denn je.
Die neue Informationstafel ist an einem Tulpenbaum entlang des europäischen Kulturwegs 1 im Strietwald platziert. Der Strietwald diente Gayer im 19. Jahrhundert über zwei Jahrzehnte als Versuchsfläche für die Anpflanzung unterschiedlicher Baumarten. Mit seinen grundlegenden Werken „Forstbenutzung“ (1863) und „Waldbau“ (1880) schaffte er eine wissenschaftliche Basis für eine nachhaltige und ökologische Forstwirtschaft.
Historische und aktuelle Relevanz
Oberbürgermeister Jürgen Herzing betonte bei der Übergabe die zentrale Rolle Gayers für die Wissenschaft und für die Region Aschaffenburg. Die historische Beziehung der Stadt zu ihren Wäldern – insbesondere durch die Versorgung mit Brenn- und Bauholz – wird so auch einem breiten Publikum anschaulich vermittelt.
David Scheuthle, heutiger Förster des Strietwaldes, verwies bei der Einweihung darauf, dass sich Bäume wie der Tulpenbaum und die Rotbuche, die bereits von Gayer gepflanzt wurden, optimal an die aktuellen Klimabedingungen angepasst haben. Sie bilden gemeinsam mit einheimischen Arten einen klimaresistenten, stabilen Mischwald und bestätigen damit die Weitsicht Gayers in Hinblick auf den Waldbau.
Der Strietwald als Lernort
Die neu installierte Tafel stellt nicht nur Gayers Wirken und seine Bedeutung für den Standort Aschaffenburg dar, sondern liefert auch historische Hintergrundinformationen zur Entwicklung der nachhaltigen Forstwirtschaft. Der Standort am Kulturweg 1 soll Spaziergängern, Schulklassen und Fachleuten gleichermaßen Wissen über die ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des Waldes vermitteln.
Hintergrund zur Realisierung
Die Informationstafel wurde durch ein gemeinsames Projekt des Archäologischen Spessart-Projekts e.V. und des Unterfränkischen Instituts für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg in Zusammenarbeit mit der Stadt Aschaffenburg realisiert. Sie ist Teil des europäischen Kulturwegs 1 / Strietwald und fügt sich damit in eine Reihe weiterer Initiativen zur Vermittlung von Kultur- und Landschaftsgeschichte ein.
Mit dieser Initiative bleibt das Vermächtnis von Karl Gayer lebendig und unterstreicht zugleich die Bedeutung einer nachhaltigen und anpassungsfähigen Waldbewirtschaftung in herausfordernden Zeiten.
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