Aschaffenburg sagt Nein zum Schlachthof
Stadtrat verweigert städtisches Grundstück nach Tierschutzverstößen – Flächen für Stadtwerke und Feuerwehr reserviert
Der Aschaffenburger Stadtrat hat eine weitreichende Entscheidung getroffen: Die Stadt wird kein städtisches Grundstück für den Betrieb eines Schlachthofs zur Verfügung stellen. Zudem wurde auch einem möglichen Weiterbetrieb am bisherigen Standort, selbst unter einer neuen Pächterin, eine klare Absage erteilt.
Entscheidung im Stadtrat: Kein Platz für Schlachthof in Aschaffenburg
Die Abstimmung erfolgte in einer nichtöffentlichen Sitzung am 14. Juli. Die Mehrheit des Stadtrats sieht keine Zukunft für einen Schlachthof im Stadtgebiet und folgt damit der Empfehlung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe aus CSU, SPD und Grünen.
Diese Arbeitsgruppe hatte "aus fachlicher, wirtschaftlicher und strategischer Sicht" ein negatives Votum abgegeben – die Voraussetzungen für einen Weiterbetrieb unter den aktuellen Bedingungen seien nicht gegeben.
Standortproblematik und Flächenbedarf
Ein zentrales Argument gegen einen neuen Schlachthof ist das Fehlen eines geeigneten Grundstücks im Stadtgebiet. Die vorhandene Fläche, die bisher genutzt wurde, liegt zudem direkt neben den Stadtwerken und der Feuerwehr. Für deren zukünftige Entwicklung ist dieses Gebiet von besonderer Bedeutung, weshalb ein weiterer Betrieb eines Schlachthofs an diesem Standort ausgeschlossen wurde.
Hintergrund: Tierschutzverstöße und Konsequenzen
Die Schließung des bisherigen Schlachthofs ist eng mit aufgedeckten Tierschutzverstößen verbunden. Nachdem schwere Missstände publik wurden, untersagte die Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) dem privaten Betreiber zunächst alle Schlachtungen.
In der Folge wurden Personalumstellungen vorgenommen, Mitarbeiter geschult und Betriebsabläufe sowie technische Einrichtungen überarbeitet. Daraufhin gestattete die KBLV ab dem 11. September 2023 erneut die Schlachtung von Schweinen.
Dennoch beschloss der Stadtrat am 18. September 2023, den Pachtvertrag mit der Betreiberin fristlos und außerordentlich zu kündigen – eine direkte Reaktion auf die festgestellten Verstöße.
Die Pächterin verweigerte jedoch die Akzeptanz der Kündigung, sodass die Stadt Klage auf Räumung beim Landgericht Aschaffenburg erhob.
Vergleich und endgültiges Aus für den Schlachtbetrieb
Im Januar 2025 einigten sich Stadt und Pächterin auf einen Vergleich: Der Betrieb sollte spätestens am 30. Juni beendet, das Gelände bis zum 31. Dezember 2026 geräumt und alle tierschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten werden.
Letztlich kam es bereits im März 2025 zur vollständigen Einstellung der Schlachtung, nachdem erneute Probleme bei der Betäubung der Schweine auftraten. Damit ist das Kapitel Schlachthof im Stadtgebiet Aschaffenburg vorerst beendet.
Ausblick und öffentliche Wahrnehmung
Mit der Entscheidung setzt der Stadtrat ein Zeichen für eine Neuausrichtung der Flächenpolitik und den Tierschutz in Aschaffenburg. Die freiwerdende Fläche soll künftig der Weiterentwicklung von Stadtwerken und Feuerwehr zugutekommen.
Wie die Bevölkerung diese wegweisende Entscheidung bewertet und welche Erwartungen an die zukünftige Nutzung der Areale geknüpft werden, bleibt für die kommenden Monate spannend.
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