PANGAEA-Training im Nördlinger Ries: Geologie rund um den Einschlagskrater

Astronautinnen und Astronauten trainierten 2026 im Nördlinger Ries: ESA-Programm PANGAEA untersuchte Impaktkrater-Geologie, Gesteine und Mond-Bezug.

Von Redaktion LK Donau-Ries4 Min. Lesezeit

Das Nördlinger Ries war auch 2026 wieder Trainingsgebiet für Astronautinnen und Astronauten. Im Rahmen des PANGAEA-Programms der Europäischen Weltraumorganisation ESA untersuchten der ESA-Astronaut Pablo Álvarez Fernández, die NASA-Astronautin Jasmin Moghbeli und der JAXA-Astronaut Kimiya Yui mehrere Tage lang die Geologie des rund 25 Kilometer großen Einschlagskraters.

Die drei Teilnehmenden waren nach Angaben der Mitteilung alle zum ersten Mal im Ries und zeigten sich überrascht, dass der Krater bewohnt ist. Das Training konzentrierte sich auf Impaktkrater und ihre Bedeutung für die Geologie des Mondes. An mehreren Aufschlüssen untersuchten die Astronautinnen und Astronauten typische Gesteine und Strukturen des Rieskraters und arbeiteten daran, aus einzelnen Beobachtungen die geologische Entwicklung des Kraters zu rekonstruieren.

Für solche Übungen eignet sich das Ries besonders gut. Der vor knapp 15 Millionen Jahren entstandene Krater gehört zu den am besten erhaltenen Einschlagskratern seiner Größenordnung auf der Erde. An zahlreichen Aufschlüssen lassen sich Gesteine und Strukturen untersuchen, die bei einem großen Impakt entstanden sind. Dazu gehören unter anderem Suevit und Bunte Brekzie sowie stark beanspruchte und verlagerte Gesteine des ehemaligen Krateruntergrunds.

Gerade für die geologische Arbeit auf dem Mond sind solche Kenntnisse wichtig, da Einschlagskrater und ihre Auswurfmassen große Teile der Mondoberfläche prägen. Bereits 1970 kamen deshalb Astronauten der späteren Apollo-14- und Apollo-17-Missionen ins Ries, um sich auf ihre geologischen Aufgaben auf dem Mond vorzubereiten. Seit 2017 ist der Rieskrater regelmäßig Teil des PANGAEA-Trainings der ESA.

PANGAEA, ausgeschrieben Planetary Analogue Geological and Astrobiological Exercise for Astronauts, bereitet Astronautinnen und Astronauten auf geologische und astrobiologische Aufgaben bei künftigen Missionen vor. Sie lernen dabei nicht nur, unterschiedliche Gesteine zu erkennen und zu beschreiben. Im Gelände müssen sie Beobachtungen einordnen, geologische Zusammenhänge erkennen, geeignete Proben auswählen und ihre Ergebnisse an das unterstützende Wissenschaftsteam übermitteln.

Das Training wurde vom internationalen PANGAEA-Team der ESA begleitet. Die Gesamtorganisation lag in den Händen von Loredana Bessone vom Astronaut Training Center in Köln. Unterstützt wurde sie von Dr. Samuel Payler, ihrem designierten Nachfolger.

Die Geländeübungen im Ries wurden von Dr. Carolyn van der Bogert und Prof. Dr. Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie der Universität Münster sowie Prof. Dr. Katherine Joy von der Universität Manchester geleitet. Bei Teilen des Geländetrainings wurden sie außerdem von Gisela Pösges vom UNESCO Global Geopark Ries und Dr. Christian Bergemann vom RiesKraterMuseum/ZERIN begleitet.

Auch das RiesKraterMuseum war Bestandteil des Trainings. Am großen Kratermodell wurden Aufbau und Morphologie des Rieskraters erläutert. Ausgewählte Proben des kristallinen Grundgebirges sowie der mesozoischen Sedimentgesteine dienten dazu, die Ausgangsgesteine kennenzulernen, denen die Astronautinnen und Astronauten anschließend im Gelände wieder begegneten.

Das dem RiesKraterMuseum angeschlossene ZERIN, das Zentrum für Rieskrater- und Impaktforschung Nördlingen, beherbergt die wissenschaftlichen Sammlungen des Museums und das Bohrkernarchiv mit Material aus Forschungsbohrungen im Ries. RiesKraterMuseum und ZERIN gehören zu den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns unter Trägerschaft der Stadt Nördlingen und dienen sowohl der Vermittlung als auch der wissenschaftlichen Erforschung des Rieskraters und von Impaktprozessen.

Der UNESCO Global Geopark Ries trägt nach Angaben der Mitteilung seit vielen Jahren gemeinsam mit Kommunen, Grundstückseigentümern, Steinbruchbetreibern und weiteren Partnern dazu bei, ausgewählte Geotope zu erhalten, zugänglich zu machen und ihre Geologie zu vermitteln. Damit stehen wichtige Teile des Kraters auch für Forschung und geologische Ausbildung zur Verfügung.

Das Training im Ries ist Teil eines umfangreicheren PANGAEA-Programms. Weitere Module führen die Teilnehmenden unter anderem an den Bletterbach in Südtirol, in die Vulkanlandschaften Lanzarotes und auf die Lofoten in Norwegen. Die verschiedenen Gebiete setzen unterschiedliche Schwerpunkte – von Sedimentgeologie und Impaktprozessen bis zu Vulkanismus, Astrobiologie und der Geologie des Mondhochlands.

Die Region wertet die erneute Rückkehr des Programms als besondere Bestätigung. Die Stadt Nördlingen, der UNESCO Global Geopark Ries und das RiesKraterMuseum wollen daher auch künftig gemeinsam gute Bedingungen für Forschung und Ausbildung im Ries schaffen. Nach Angaben der Mitteilung soll das besondere geologische Umfeld des Rieskraters auch in Zukunft erhalten und genutzt werden können.

Die Teilnehmenden

Pablo Álvarez Fernández

Pablo Álvarez Fernández wurde 2022 für das ESA-Astronautenkorps ausgewählt und schloss 2024 seine Grundausbildung ab. Vor seiner Auswahl arbeitete der spanische Luft- und Raumfahrtingenieur unter anderem am ExoMars-Rover. Er war von dem sehr guten Erhaltungszustand des Rieskraters und der leichten Zugänglichkeit der geologischen Besonderheiten angetan.

Jasmin Moghbeli

Jasmin Moghbeli ist eine US-amerikanische NASA-Astronautin und Oberstleutnant des United States Marine Corps. Sie gehört seit 2017 zum NASA-Astronautenkorps. 2023/24 kommandierte sie die Crew-7-Mission zur Internationalen Raumstation ISS und verbrachte dort rund sechs Monate. Dort absolvierte sie einen sechseinhalbstündigen Außeneinsatz, um die Solaranlagen der ISS zu warten. Sie freute sich nach Angaben der Mitteilung sehr, nach Deutschland zurückzukommen, da sie hier geboren wurde.

Kimiya Yui

Kimiya Yui wurde 2009 von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA als Astronaut ausgewählt. Er absolvierte bereits zwei Langzeitmissionen auf der ISS und kehrte zuletzt im Januar 2026 von seiner zweiten Mission zurück. Yui kannte die Romantische Straße aus Filmbeiträgen und freute sich, die Stadt Nördlingen live zu sehen.

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