Informationsnachmittag zur Bayerischen Demenzwoche im Landratsamt Coburg

Erich Schützendorf spricht über „Das Recht auf unvernünftiges Verhalten“ und plädiert für Selbstbestimmung sowie Gelassenheit im Umgang mit Demenz

Porträt von Erich Schützendorf
Erich Schützendorf, Diplom-Pädagoge, Gerontologe und SachbuchautorFoto: landkreis-coburg.de

Im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche ist am Dienstag, 22. September, im Landratsamt Coburg ein Informationsnachmittag geplant. Dort spricht Erich Schützendorf, Diplom-Pädagoge, Gerontologe und Sachbuchautor, zum Thema „Das Recht auf unvernünftiges Verhalten“.

Schützendorf beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Themen Älterwerden, Demenz und Selbstbestimmung im Alter. Er gilt laut Mitteilung als einer der prägenden Vordenker für einen menschenwürdigen Umgang mit pflegebedürftigen und demenziell erkrankten Menschen.

Programm im Überblick

Die Veranstaltung findet im großen Sitzungssaal, Raum E.30 im Erdgeschoss des Landratsamtes Coburg, statt.

  • ab 13 Uhr: Informationsmaterialien und Möglichkeit, den GERT-Altersimulationsanzug auszuprobieren
  • 13.30 Uhr: Vortrag von Erich Schützendorf
  • 15.15 Uhr: Die Rettungshundestaffel des BRK-Kreisverbandes Coburg stellt ihre Arbeit vor

Worum es in dem Vortrag geht

Schützendorf wirbt dafür, das Recht auf Selbstbestimmung auch bei Menschen mit Demenz zu achten. Menschen mit Demenz könnten ihr Verhalten immer weniger mit dem Verstand kontrollieren und handelten deshalb mitunter unvernünftig. Dennoch müsse der natürliche Wille, den sie zum Ausdruck bringen, beachtet und respektiert werden.

Er verweist auf Alltagssituationen, in denen Menschen mit Demenz etwa falsche Kleidungsstücke wählen, eine Brille mit einer Scheibe Wurst putzen oder einen Schlüssel in den Kühlschrank legen. Solche Verhaltensweisen seien nicht gefährlich, sondern widersprächen nur dem vermeintlich gesunden Menschenverstand.

Das Bild vom „Anderland“

Zur Beschreibung des Lebens von Menschen mit Demenz nutzt Schützendorf das Bild des „Anderlands“. Demnach haben sie das „Normalien“, das Land der Rationalität, verlassen und befinden sich nun im Anderland. Dort stünden das Spielerische, das Kindhafte, das Zweckfreie sowie Sinne und Gefühle im Vordergrund.

Für den Umgang mit Betroffenen empfiehlt er, ihnen wie einem Gast oder wie einem Völkerkundler zu begegnen. Wer sich anpasse und versuche, die fremde Kultur sowie die dort herrschenden Sitten und Gebräuche zu verstehen, könne Konflikte und Auseinandersetzungen verringern.

An Angehörige, Pflegekräfte und andere Begleitende richtet Schützendorf die Empfehlung, mit der richtigen Haltung, wenig Aufgeregtheit und heiterer Gelassenheit das Zusammenleben zu gestalten. Zugleich erinnert er daran, dass sich Begleitende nicht dauerhaft in Anderland aufhalten können, sondern immer wieder nach Normalien zurückkehren müssen.

Eigene Anzeige

Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen

Erreichen Sie Menschen in dieser Region – transparent als Anzeige gekennzeichnet.

Jetzt anfragen

Hat dir der Artikel geholfen? Teile ihn gern: