Lauf ehrt erstmals Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs

Neue Gedenkveranstaltung und Informationsstelen erinnern dauerhaft an die Schicksale – künftig jährlich am Totensonntag

Lauf ehrt erstmals Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs
Bild zum Beitrag© Neues aus Lauf an der Pegnitz

Auf dem städtischen Friedhof in Lauf wurde gestern erstmals im Rahmen einer offiziellen Veranstaltung der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs gedacht. Die Initiative geht auf einen lange geforderten bewussten Umgang mit der lokalen Vergangenheit zurück und schließt eine Lücke im öffentlichen Gedenken der Stadt.

Gedenkveranstaltung für Zwangsarbeiter: Ein Zeichen der Erinnerung

Unter der Beteiligung von Bürgermeister Thomas Lang, Landrat Armin Kroder und Kuno Hauck von Amnesty International fand die Kranzniederlegung am Zwangsarbeitergrab statt. Die Veranstaltung stand im Zeichen des Gedenkens an die Opfer nationalsozialistischer Zwangsarbeit und erinnerte an die Verbrechen, die in dieser Zeit auch in Lauf begangen wurden.

Bürgermeister Lang begrüßte zahlreiche Gäste, darunter den Landtagsabgeordneten Felix Locke, Mitglieder des Stadtrats verschiedener Fraktionen, das Ehepaar Knienieder von Emuge, Bürgerinnen und Bürger, Dr. Ina Schönwald vom Stadtmuseum sowie Christoph Maier vom Stadtarchiv, der im Rahmen des Projekts „Brennpunkte Nationalsozialismus“ forschte.

Stelen und Tafeln: Sichtbare Zeichen der Aufarbeitung

Neben dem Grab informieren nun zwei Stelen über das Schicksal der Zwangsarbeiter. Sie thematisieren ausdrücklich auch den schwierigen Umgang der Stadt Lauf mit dieser Thematik in den Jahrzehnten nach dem Krieg.

Erstmals werden die Lebensumstände dokumentiert: Viele Zwangsarbeiter, insbesondere aus Osteuropa, verrichteten schwerste Arbeiten in der Industrie, auf Bauernhöfen oder in kleinen Betrieben und lebten unter widrigen Bedingungen in Lagern oder Kellern. Mangelernährung, medizinische Unterversorgung, Hunger und Kälte gehörten zum Alltag. Strafen waren häufig und drastisch.

Dokumentation der Schicksale – Erinnern und Lernen

Das Stadtarchiv dokumentierte zudem die oft tragischen Schicksale von Kindern, die von Zwangsarbeiterinnen geboren wurden. Viele dieser Kinder starben nach wenigen Tagen an den Folgen von Mangelernährung. Die Tafeln am Zwangsarbeitergrab machen dies durch Geburts- und Sterbedaten deutlich erlebbar.

Landrat Kroder rief die Anwesenden auf, die Tafeln zu lesen und sich der Tragweite bewusst zu werden. Er betonte, dass zwar die nachgeborenen Generationen keine Schuld tragen, jedoch die Verantwortung besteht, das Gedenken wachzuhalten und ähnliche Verbrechen zu verhindern.

Dauerhafte Erinnerung und gesellschaftlicher Auftrag

In Zukunft soll die Gedenkveranstaltung jeweils am Totensonntag stattfinden. Kuno Hauck von Amnesty International würdigte die Bedeutung dieser ersten offiziellen Gedenkfeier und hob hervor, dass damit eine lange bestehende Erinnerungslücke in Lauf geschlossen werde.

Die Forschungsergebnisse des Stadtarchivs, die den Gedenkort inhaltlich untermauern, wurden durch das Projekt „Brennpunkte Nationalsozialismus“ erarbeitet und mit Mitteln von SUMMER und der Kulturstiftung Sparkasse Nürnberg gefördert. Lauf plant darüber hinaus, an weiteren Orten im Stadtgebiet mit Stelen an die NS-Zeit zu erinnern.

Historischer Rückblick und Ausblick

Bereits im Jahr 2000 hatte es auf Initiative von Bürgermeister Rüdiger Pompl eine erste Ausstellung im Stadtarchiv zu Zwangsarbeit gegeben. Die aktuelle Veranstaltung und die neuen Erinnerungsorte markieren jedoch einen Wendepunkt im öffentlichen Umgang mit diesem Teil der Stadtgeschichte.

Die Gedenkveranstaltung setzte ein klares Zeichen: Erinnerung, Aufklärung und Verantwortung gehören zusammen. Die Beteiligung von rund 40 Bürgerinnen und Bürgern zeigt das wachsende Interesse an diesem wichtigen Kapitel der Stadtgeschichte. Für die folgenden Jahre hofft Landrat Kroder auf noch mehr Engagement – insbesondere von Jugendlichen.

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