Anna Diez: Wegbereiterin der Kinderbetreuung geehrt
Im Eckert'schen Kindergarten erinnert eine Plakette an ihr Engagement für frühe Kleinkinderbewahranstalten im 19. Jahrhundert

Gestern fand im Eckert'schen Kindergarten ein Festakt statt, bei dem Anna Diez, die Stifterin eines der ersten Kindergärten Bayerns, im Rahmen des Projekts "FrauenOrte" gewürdigt wurde. Das vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales initiierte Projekt hebt die Leistungen bedeutender Frauen der Geschichte hervor und macht sie für eine breite Öffentlichkeit sichtbar.
Anna Diez: Pionierin der Kinderbetreuung
Anna Diez stammt ursprünglich aus Regensburg und war mit einem Fuhrmann verheiratet. Nach dem Tod ihres Mannes entschied sie sich, ihr Vermögen von 800 Gulden für den Bau einer sogenannten „Kleinkinderbewahranstalt“ – dem späteren Eckert'schen Kindergarten – zu stiften. Dieses Engagement gilt als visionär für das 19. Jahrhundert, denn damals mussten viele Frauen arbeiten und konnten ihre Kinder nicht betreuen. Diez legte damit nicht nur den Grundstein für die Institution Kindergärten in der Region, sondern setzte sich bereits früh für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein.
Der Kindergarten wurde 1850 eröffnet, allerdings konnte Anna Diez diesen Erfolg nicht mehr miterleben – sie verstarb bereits 1841. Nach der ursprünglichen Stiftung wurde im Jahr 1871 durch eine weitere Zustiftung von über 10.000 Gulden durch Friedrich Eckert die Einrichtung noch weiter ausgebaut und erhielt ihren heutigen Namen.
Würdigung und Nachwirkungen
Während des Festakts erinnerten zahlreiche Gäste an die Bedeutung von Anna Diez. Anja Wirkner, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nürnberger Land, würdigte Diez als „bemerkenswerte Frau“, die erkannt habe, wie wichtig Bildung von Anfang an ist. Auch Bürgermeister Thomas Lang hob ihre Rolle als Vorreiterin hervor und verwies auf bestehende Erinnerungsorte wie den Anna-Diez-Weg und den Anna-Diez-Steg über die Pegnitz.
„Heute ist Kinderbetreuung selbstverständlich. Doch Anna Diez hat Großartiges geleistet, als man an das Thema noch gar nicht gedacht hatte“, betonte zudem der stellvertretende Landrat Helmut Brückner. Dr. Ina Schönwald vom Stadtarchiv wies darauf hin, wie wichtig Diez' Beitrag war, da viele Kinder im 19. Jahrhundert auf sich allein gestellt waren.
Einfluss und Vorbildfunktion
Lisa Nikol-Eryazici, Pfarrerin und stellvertretender Stiftungsvorstand, unterstrich die Bedeutung, Frauen sichtbar zu machen, die die Geschichte mitgeprägt haben. „Frauen haben Bayern aufgebaut“, betonte auch Ulrike Scharf in einer Videobotschaft und wies darauf hin, dass das Projekt "FrauenOrte" das Ziel verfolge, starken Frauen eine Vorbildfunktion für die Gegenwart zu geben.
Im Rahmen der Veranstaltung berichteten auch ehemalige Besucher und die langjährige Leiterin des Eckert'schen Kindergartens von ihren Erlebnissen, was die nachhaltige Prägung durch Anna Diez verdeutlichte.
Zukunft – Erinnern und Weitergeben
Bayernweit gibt es aktuell 140 „FrauenOrte“, die an wichtige Frauen der Geschichte erinnern. Am Eckert'schen Kindergarten wird künftig eine Plakette dauerhaft auf die Würdigung von Anna Diez hinweisen und ihr Wirken für kommende Generationen sichtbar machen.
Die Initiative zur Veranstaltung ging von Ralf Donawell, dem Leiter des Hauses für Kinder, Susanne Bauer von der Eckert'schen Kindergartenstiftung sowie Anja Wirkner aus, die gemeinsam zur Würdigung eingeladen hatten.
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