Stadttheater Fürth startet Klärungs- und Entwicklungsprozess
Nach einem anonymen Schreiben werden arbeitsrechtliche und organisationsbezogene Punkte getrennt geprüft und konkrete Maßnahmen zur Zusammenarbeit vorbereitet.
Die Stadt Fürth hat nach eigenen Angaben vor einigen Monaten einen Klärungsprozess am Stadttheater Fürth eingeleitet. Auslöser war ein anonymes Schreiben vom 19. März 2026, das nach eigener Darstellung von 25 Beschäftigten des Hauses getragen wurde. Darin wurden Belastungen des Arbeitsklimas sowie Kritik und Hinweise zum Führungsverhalten und zur Zusammenarbeit am Stadttheater geschildert.
Wie die Stadt mitteilt, machte die Anonymität des Schreibens eine sorgfältige, unabhängige und ergebnisoffene Aufarbeitung erforderlich. Im Mittelpunkt standen demnach zwei gleichrangige Ziele: die Fürsorgepflicht gegenüber allen Beschäftigten des Stadttheaters sowie der Schutz der Persönlichkeitsrechte der Mitarbeitenden und der von den Hinweisen betroffenen Intendantin.
Arbeitsrechtliche und organisationsbezogene Prüfung getrennt
Um beiden Zielsetzungen gerecht zu werden, trennte die Stadt Fürth die organisationsbezogene und die arbeitsrechtliche Aufarbeitung bewusst voneinander. Nach Angaben der Stadt sollte so ein unabhängiges, rechtsstaatlich sorgfältiges und ergebnisoffenes Verfahren ermöglicht werden.
Die im anonymen Schreiben formulierten Anliegen seien vollständig aufgegriffen worden. Dazu gehörten insbesondere:
- eine unabhängige Untersuchung des Arbeitsklimas,
- vertrauliche Gespräche mit Beschäftigten durch neutrale Stellen,
- die arbeitsrechtliche Prüfung möglicher Pflichtverletzungen,
- die Erarbeitung von Grundlagen für die Weiterentwicklung der Führungs-, Kommunikations- und Zusammenarbeitskultur am Stadttheater.
Im Rahmen einer Personalversammlung am Freitag, 17. Juli 2026, wurden nach Angaben der Stadt alle Mitarbeitenden über die Ergebnisse informiert.
Keine arbeitsrechtlich relevanten Hinweise
Für die arbeitsrechtliche Einordnung wurden laut Mitteilung drei Anlaufstellen eingerichtet: eine externe Ansprechstelle bei der Kanzlei FRAHM KUCKUK SCHIRNER aus Stuttgart, eine interne Ansprechstelle beim Personalamt der Stadt Fürth sowie der Personalrat als weitere Anlaufstelle.
Diese Stellen sollten konkretisierende Hinweise auf mögliche arbeitsrechtlich relevante Pflichtverletzungen entgegennehmen und rechtlich bewerten. Nach Angaben der Stadt gingen bei der externen Ansprechstelle keine arbeitsrechtlich relevanten Hinweise ein. Auch die Prüfung von zwei im Personalamt vorgetragenen Sachverhalten habe keine Anhaltspunkte für arbeitsvertragliche Pflichtverletzungen ergeben. Beim Personalrat seien ebenfalls keine relevanten Eingaben gemacht worden.
Damit ergaben sich nach Darstellung der Stadt im Rahmen der eingerichteten arbeitsrechtlichen Ansprechstellen keinerlei Hinweise auf die in dem anonymen Schreiben erhobenen arbeitsrechtlich relevanten Vorwürfe oder auf einen gestiegenen Krankenstand.
Bestandsaufnahme sieht Handlungsbedarf
Parallel dazu führte die TAKEPART Kulturberatung eine organisationsbezogene Bestandsaufnahme durch. Grundlage waren zahlreiche Gespräche mit Beschäftigten aller Bereiche des Stadttheaters.
Diese Bestandsaufnahme zeigt nach Angaben der Stadt Handlungsbedarf in den Bereichen Führung, Zusammenarbeit, Kommunikation und Organisationskultur. Diese Themen sollten im weiteren Entwicklungsprozess gezielt aufgegriffen werden.
Vertreter der Stadt Fürth hätten die klare Erwartung formuliert, dass die identifizierten Handlungsfelder nun konsequent und lösungsorientiert bearbeitet werden.
Nächster Schritt: strukturierter Entwicklungsprozess
Die Stadt bewertet die Ergebnisse der ersten Phase des Klärungsprozesses insgesamt positiv. Zugleich verweist sie darauf, dass sich das Stadttheater Fürth mitten in einem umfassenden Veränderungsprozess befinde, der von allen Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität, Toleranz und gegenseitigem Verständnis verlange.
Mit der abgeschlossenen Bestandsaufnahme und der Vorstellung der Ergebnisse in der Personalversammlung sei ein wichtiger Grundstein gelegt worden. Auf Basis der vorliegenden Ergebnisse soll nun gemeinsam mit allen Beteiligten ein strukturierter Entwicklungsprozess starten. Dabei sollen konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit am Stadttheater erarbeitet werden.
Ziel bleibt laut Stadt eine dauerhaft von Vertrauen, Professionalität und gegenseitiger Wertschätzung geprägte Zusammenarbeit am Stadttheater Fürth.
Anerkennung für Beschäftigte und Intendantin
Oberbürgermeister Thomas Jung und Kulturreferent Benedikt Döhla sprechen laut Mitteilung sowohl Intendantin Silvia Stolz als auch den Beschäftigten zum Abschluss dieses Klärungsprozesses Anerkennung und Vertrauen aus.
Wörtlich heißt es: „Unser Respekt gilt allen Beteiligten, die in dieser für alle sehr belastenden Phase bereit waren, sich konstruktiv mit Kritik und Veränderungswünschen auseinanderzusetzen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass nun alle gemeinsam unser hochgeschätztes Theater in die nächste Spielzeit, das 125. Bestehen im Jahr 2027 und ganz allgemein in eine stabile Zukunft führen werden.“
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