Vier mutmaßliche Schleuser festgenommen bei länderübergreifend koordinierter Aktion

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Traunstein und der Bundespolizeiinspektion Freilassing laufen seit 2024 – Beweismaterial gesichert, weitere mögliche Straftaten werden geprüft

Von Herold-Team
ndespolizeidirektion München: Staatsanwaltschaft Traunstein und Bundespolizei gelingt Schlag gegen mutmaßliche Schleuserbande - bei Durchsuchungen in Tschechien insgesamt vier Beschuldigte festgenommen
Symbolbild zur Pressemitteilung© Abo Presseportal.de

Ermittler nehmen vier mutmaßliche Mitglieder einer Schleuserorganisation fest

Der Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden und organisierten Kriminalität nach dem „Traunsteiner Modell“ und der Bundespolizeiinspektion Freilassing ist nach eigenen Angaben ein Schlag gegen die organisierte Schleuserkriminalität gelungen. Am Dienstag, 21. Juli 2026, wurden in den frühen Morgenstunden bei einer länderübergreifend koordinierten Aktion vier mutmaßliche Mitglieder einer international agierenden Schleuserorganisation festgenommen.

Im Raum Prag durchsuchten Einheiten der tschechischen Polizei für organisierte Kriminalität sowie unterstellte Observationseinheiten insgesamt sieben Wohnungen und Geschäftsräume. Begleitet wurde der Einsatz von Ermittlern aus Deutschland und Lettland sowie von der zuständigen Traunsteiner Staatsanwältin vor Ort. Dabei wurden drei Europäische Haftbefehle vollzogen und eine weitere Person vorläufig festgenommen. Zudem stellten die Behörden umfangreiches Beweismaterial sicher.

Ermittlungen laufen seit 2024

Die umfangreichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Traunstein und der Bundespolizeiinspektion Freilassing begannen im Frühsommer 2024. Nach Angaben der Ermittler besteht der dringende Verdacht, dass die Bandenmitglieder Schleusungen in völlig überfüllten Kleintransportern und Pkw organisiert und durchgeführt haben. Dabei sollen Leben und Gesundheit der ungesichert transportierten Menschen gefährdet worden sein.

Insgesamt soll die Bande im Zeitraum von Februar 2024 bis Februar 2026 mindestens 32 Schleusungsfahrten professionell organisiert und durchgeführt haben. Dabei sollen 349 Drittstaatsangehörige, darunter auch Kinder, geschleust worden sein.

Weiteres mutmaßliches Bandenmitglied bereits im Mai festgenommen

Bereits Anfang Mai war in Deutschland ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Schleuserorganisation festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht worden. Nach Angaben der Ermittler soll der 27-jährige ungarische Staatsangehörige in einem anderen Deliktsbereich, dem „Call-Center-Betrug“, als Abholer der Tatbeute nach Schockanrufen agiert haben. Er steht zudem im Verdacht, sich gegenüber ahnungslosen Senioren als falscher Polizeibeamter ausgegeben zu haben.

Dem Mann wird vorgeworfen, im Zeitraum von Anfang April bis Anfang Mai 2026 in mehreren Fällen als Abholer bei Schockanrufen tätig gewesen zu sein und dabei einen hohen Schaden verursacht zu haben.

Internationale Zusammenarbeit im Joint Investigation Team

Im Sommer 2025 wurde unter Führung der deutschen Behörden ein sogenanntes Joint Investigation Team, kurz JIT, gebildet. Daran beteiligt sind Eurojust, Europol, Deutschland, Tschechien und Lettland. Dieses gemeinsame Ermittlungsteam soll grenzüberschreitende Ermittlungen für die Strafverfolgungsbehörden erleichtern und entbürokratisieren.

Seit August 2025 ermittelten die beteiligten Länder mit Unterstützung von Europol in enger Abstimmung und mit verdeckten Maßnahmen in Tschechien und Deutschland.

Festnahmen an vier Orten im Raum Prag

Nach sorgfältiger Planung der tschechischen Behörden, auf deren Staatsgebiet die operativen Maßnahmen stattfanden, kam es am 21. Juli 2026 zeitgleich an vier unterschiedlichen Orten im Raum Prag zu den Festnahmen. Zur Sicherstellung der Ergreifung wurden Spezialkräfte für Observation und technische Überwachung der tschechischen Polizei eingesetzt. Insgesamt waren rund 150 Polizeibeamte und Ermittler im Einsatz. Im Anschluss wurden sieben Objekte in und um Prag durchsucht.

Die drei für Deutschland auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls festgenommenen Beschuldigten sollen zeitnah nach Deutschland ausgeliefert werden. Gegen einen weiteren zunächst vorläufig festgenommenen und später wieder freigelassenen Beschuldigten besteht der Verdacht, dass er als Bandenmitglied die Fahrzeuge beschafft hat. Gegen ihn laufen Ermittlungen der lettischen Strafverfolgungsbehörden.

Behörden verweisen auf weitere Ermittlungen

Nach Darstellung der Ermittler war der Ermittlungserfolg nur möglich, weil die Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein nach dem „Traunsteiner Modell“ bundesweite und grenzüberschreitende Erkenntnisse gebündelt, die internationale Zusammenarbeit im Rahmen des JIT vorangetrieben und das Verfahren gegen alle Beschuldigten mit Wohnort im Ausland gemeinsam mit der Bundespolizei Freilassing geführt habe. Auch die Zusammenarbeit mit den tschechischen Polizeibeamten habe maßgeblich zum Gelingen der Aktion beigetragen.

Die Ermittlungen zu möglichen weiteren Straftaten der mutmaßlichen Schleuserbande dauern an. Dabei geht es den Angaben zufolge insbesondere um mögliche Verbindungen zu Callcenter-Betrügereien sowie um den Verbleib des Schleuserlohns.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein und die Bundespolizeiinspektion Freilassing betonen, dass gegen kriminelle Schleuserorganisationen weiterhin hart vorgegangen werde. Gleiches gelte für Täter aus dem Bereich des Call-Center-Betrugs.

Bis zum Vorliegen einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Hintergrund: Das „Traunsteiner Modell“

Das sogenannte „Traunsteiner Modell“ zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden und organisierten Kriminalität wurde 2018 bei der Staatsanwaltschaft Traunstein eingeführt und in den Folgejahren schrittweise auf alle grenznahen bayerischen Staatsanwaltschaften ausgeweitet. Die jeweiligen Spezialabteilungen arbeiten bei der Verfolgung international agierender Schleuserbanden sowie von Drogen- und Waffenhändlern eng mit ausländischen Polizei- und Justizbehörden, Eurojust und Europol zusammen.

Ziel ist es, internationale Ermittlungen stärker zu spezialisieren, zu intensivieren und zu koordinieren, um Strukturermittlungen gegen Hintermänner zu ermöglichen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gelingt es mittlerweile in mehr als der Hälfte aller Schleusungsdelikte, Hinterleute oder weitere Täter sowie zusätzliche Schleuserfahrten zu ermitteln und strafrechtlich zu verfolgen.

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